„Mein moralischer Spagat zwischen Blogger und Sozialpädagoge“- geht das zu vereinen!?

Ihr Lieben,

aktuell ist es hier auf Grund meiner Master-Arbeit etwas ruhiger auf meinem Blog, dennoch möchte ich euch an meinen aktuellen Gedanken teilhaben lassen.

„Was machst du eigentlich hauptberuflich!?“ Eine Frage, die mir gefühlt 100x in den letzten Monaten gestellt wurde. „Ich bin Sozialpädagogin, genauer Suchtberaterin für Jugendliche und junge Erwachsene“ „Was echt, dass hätte ich ja nie gedacht“…ist nur eine exemplarische Antwort, welche ich auf meine Aussage erhalte.

Aber was ist denn nun so merkwürdig oder außergewöhnlich daran!?

In der Sozialen Arbeit ist die Blogger-Szene oft eine Unbekannte, oberflächlich ist sie und wird von vielen belächelt…ich erwähne fast nie, dass ich eben auch Bloggerin bin, genauer „Fashionbloggerin“ uppps da war das böse Wort „Fashion“ und nein, es ist KEIN Klischee, dass ich in der sozialen Arbeit ein Exot bin, da Mode oft eher als unnötiger Konsum angesehen wird. Sicherlich es gibt immer und überall Ausnahmen;-) . Aber wenn ich an alle meine bisherigen Arbeitsplätze zurückdenke, teilen die wenigsten meine so große Leidenschaft zur Mode. Schon im Studium tanzte ich aus der Reihe, wurde dumm von der Seite angeguckt und es gab auch mal den ein oder anderen Spruch. Dabei sind Sozialarbeiter ja eigentlich alle total tolerant…hahah leider nicht in der Praxis, eher nur in der Theorie. Die Freundinnen, die sich auf Grund meines Blogs von mir abgewandt haben, waren „leider“ auch eine Sozialarbeiterin und eine Pädagogin. Mache ich meine Arbeit schlechter, weil ich mich für Mode interessiere!? Die Klienten interessiert es herzlich wenig, was ich trage und gerade Jugendliche sind da oft sehr offen und interessieren sich für alles, was eben neu auf dem Markt ist.

Aber bringen wir noch mal einen anderen Blickwinkel mit in die Diskussion in mir selbst ein, ich bin nicht nur modeverrückt, nein….ich bestreite auch einen Teil meines Lebensunterhaltes mit meinem nun mehr zweiten beruflichen Standbein „der Mode“. Das sich beide Berufe nicht kreuzen darauf achte ich, dies erfordert viel Organisations-Talent und ich musste schon so viele Events und Kooperationen auf Grund meines Hauptberufes absagen…aber hey, ich mache es gerne, denn ich hänge an meinem Job. Das man in der sozialen Arbeit kein Millionär wird, ist ein offenes Geheimnis, dass man als erfolgreicher Blogger einer werden kann auch nicht. Als Sozialarbeiter hilft man anderen Menschen und versucht diese zu unterstützen, auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben, als Blogger lebst du den Konsum. Reisen als Sozialarbeiter ausgewählt, viel lässt das Gehalt nicht zu, als Blogger jeden Monat einmal durch die Welt jetten….keine Seltenheit. Immer die neuste Mode und technischen Geräte!? Als Sozialarbeiter undenkbar, als Blogger Must-Have und oft kann man sich davor gar nicht retten, Firmen senden einem die neusten Produkte, man geht Kooperationen ein oder steckt seinen Verdienst in neue, oft auch sehr unnötige neue Sachen. Eine Valentino!? Bye, ich gehe dann mal Jahre sparen…nicht unmöglich, aber brauche ich so eine Tasche zur Arbeit!? Wohl eher nicht…oder soll ich meinen Klienten einen Luxus vorleben und ihnen damit vor Augen halten, dass sie niemals in diese Situation kommen werden…für mich taktlos. Als Blogger ein Privileg, wenn nicht eine unumgängliche Anschaffung, die man eben brauch für den Erfolg (und ja, man hat nun mal „leider“ mehr Erfolg).

Immer in zwei Welten leben, auf zwei Hochzeiten tanzen…auf Dauer sehr anstrengend, sich überall anpassen und an die vermeintlichen richtigen Werte & Normen halten eine Herausforderung. Nirgends völlig man selbst sein zu können schade, aber kaum zu vermeiden. Immer wieder ertappe ich mich dabei, z.B. auf Events oder Press Days innerlich die Augen zu verdrehen, über vermeidliche „first world problems“, da ich täglich die knallharte Realität auf der Arbeit vor Augen gehalten bekommen, wie mies einige Lebensläufe verlaufen sind oder eben auch enden können…dennoch liebe ich es, mir von meinem selbstverdienten Geld den ein oder anderen Luxus zu gönnen, den ich mir nur durch den Job als Bloggerin „leisten“ kann. Muss ich dann ein schlechtes Gewissen haben!? Manchmal weiß ich es nicht, rechtfertige mich und verschweige Dinge, die doch eigentlich zu mir gehören. Dabei gebe ich viel Herzblut in den Job und darf doch so leben, wie es mich glücklich macht.

Häufig ein Phänomen in der Sozialen Arbeit „ich darf nicht glücklich sein und mir was gönnen“ „meine Klienten haben doch nichts und ihnen geht es schlecht“, aber bringe ich ihnen unglücklich und unauthentisch etwas!? Nein auf keinen Fall, es ist immer eine Frage des „Wie“…sich etwas gönnen, auf jeden Fall…damit angeben oder es vor den Klienten raushängen lassen…“No go“, gerade diese Tatsache hält mich am Boden und zeigt mir woher ich komme und was ich sein will.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dieser Spagat zwischen den zwei Welten ist nicht leicht, stets authentisch zu bleiben und dennoch nirgends anzuecken…in der sozialen Arbeit zu seiner Mode-Leidenschaft zu stehen und sich einfach so anzuziehen, worauf man eben halt Lust hat… (und es kam wirklich schon mal ein Spruch in meinem damaligen Job „du hast ja rosa Nagellack“ hahah na und) und in der Blogger-Szene nie den Boden unter den Füßen zu verlieren, das schnelle Geld zu schätzen (ja, es gibt auch wieder andere Zeiten) und sich an Dingen noch zu erfreuen (auch wenn es die Xte Tasche ist) und diese auch Wert zuschätzen. Anderen etwas vom Erfolg abzugeben, sei es mit sozialen Projekten, Spenden oder einfach den Liebsten eine Freude zu machen. Außerdem kann man seine „Reichweite“ auch herrlich für soziale Aktionen nutzen und ich habe mich dort schon einige Male eingebracht<3.

Wie steht ihr zu diesem Thema? Gibt es Menschen von euch, die genau in der gleichen Lage stecken? Lasst es mich unbedingt in den Kommis wissen<3 drücke euch♥ eure Tatjana

 

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Tatjana

32 Comments

  1. Liebe Tatjana, ein sehr spannendes Thema! Ich finde es sowieso bewundernswert, wie du das Alles unter einen Hut bringest! Respekt! Und weiterhin viel Erfolg!
    Mach das, was dich glücklich macht! <3

    Liebe Grüße,
    Mihaela

  2. Liebe Tatjana, juhuuu endlich ein neuer Blogpost von dir und ich zähle mich wirklich zu deinen Stammlesern;-) ich habe vollsten Respekt für deinen „Spagat“ zwischen den zwei Welten…ich selbst bin Erzieherin und kenne deine Erfahrungen zu gut aus meinen eigenen Geschichten. Mach weiter so lg Laura

  3. Hallo Tatjana, ich folge dir schon einige Zeit und ich mag deine Post total gerne. Ich stehe selbst total auf rosa und alles „mädchenhafte“. Du zeigst sowohl“Luxusteile“ als auch erschwingliche Sachen von h&m und Co. Das ist wirklich toll und ich lasse mich gerne inspirieren. Ich selbst bin Erzieherin und würde manchmal gerne etwas moderner und stylicher zur Arbeit gehen – klar können die Sachen in der KitA schnell schmutzig werden oder kaputt gehen. Mehr stören mich aber manchmal die Blicke der Kolleginnen, auch wenn diese meist nicht böse gemeint sind. Mode- und Make-up-affine Menschen werden leider in diesem Beruf auch oftmals nicht ernst genommen, was ich sehr schade finde. Ich kann mich doch „hübsch“ machen und auf mein Äußeres achten und trotzdem gut in meinem Job sein. Ich hoffe ich kann hierfür ein gutes Beispiel sein! Liebe grüße

    • Hahah spannend zu hören, dass es eben auch einigen anderen Mädels so geht <3 ich sehe es genau wie du und man sollte wirklich das machen wonach einem eben auch ist 🙂 lg Tatjana

  4. Hi, ein wirklich interessanter Text. Für mein Gefühl, lebst du ein gutes Gleichgewicht. Zumindest in dem, was du bei Insta zeigst, wirkt es auf mich authentisch. Du kombinierst preiswert mit Luxus. Den darf man sich natürlich gönnen!! Und wenn man auf der andern Seite eine Herzensangelegenheit hat, die einen auch erdet, ist das doch eine tolle Sache! Ich drück dir die Daumen für mehr Toleranz in deinem Hauptberuf 🙂

  5. Ich finde du meisterst das toll Tatjana! Ist bestimmt nicht immer leicht alles unter einen Hut zu bringen.

    Lieben Gruß
    Bea

  6. Ich fühle mich manchmal auch etwas wie im Spagat. Manchmal lerne ich neue Menschen kennen, die durch den Blog vorschnell über mich urteilen und das nervt mich.

  7. Liebe Tatjana,
    Hut ab für deine Ehrlichkeit und ich kann deine Situation total nachvollziehen :-). Ich selbst bin zwar keine Sozialpädagogin, habe aber auch immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen, da ich auch so eine Modevictim bin 🙁 aber wir lassen uns nicht unterkriegen:-* lg Anna

  8. Das ist wirklich ein sehr spannendes Thema und Hut ab, dass du das alles so meisterst. Ich bewundere eh Menschen, die neben dem Bloggen noch einen festen Job haben und trotzdem so viel Zeit in den Blog investieren. Und dein Beruf ist ja dann auch noch das komplette Gegenteil. Ich denke aber auch, dass dein Job auch ein guter Ausgleich zum Bloggen sein kann, gerade, weil du dort bestimmt immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt wirst und viel mehr am echten Leben und den wirklichen Problem teilnimmst. Ich kann verstehen, dass du an deinem Job hängst und wünsche dir alles gute weiterhin für den Spagat zwischen beiden Jobs.

    Liebe Grüße
    Ruth
    http://ruthgarthe.com

  9. Liebe Tatjana,

    Puh, das sind schon zwei verschiedene Welten, wenn ich das so lese von Dir. Aber ich finde es toll, dass Du Dich in so unterschiedlichen Bereichen einsetzt. Bestimmt ist das nicht immer leicht.
    generell ist ja der Beruf Blogger noch immer nicht wirklich bekannt bei Firmen, die sonst mit Social Media wenig am Hut haben.

    Wünsche Dir ein schönes Wochenende.
    Liebe Grüße,
    Birte
    http://show-me-your-closet.de/

  10. Liebe Tatjana, ich finde es toll, dass du dir solche Gedanken machst!!
    Und ich bin auch zwiegespalten, klassische Musikerin und Modebloggerin… habe die ersten Jahre auch verheimlicht, dass ich blogge. Allerdings ist Mode nur so oberflächlich, wie der Mensch, der sie trägt! Mittlerweile steh ich dazu! Und echt krass, dass du dadurch Freundinnen verloren hast. Aber ehrlich, im Endeffekt nehmen und lieben einen echte Freunde genau so, wie man ist, mit allem drum und dran 🙂
    Deswegen vielleicht besser so, auch wenn bitter…
    Lg
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

    • Liebe Esra, genauso so ist es und mittlerweile bin ich da auch deutlich abgegrenzter:-) aber es ist auch nicht alles Gold was glänzt:-) Danke dir für deine lieben Worte <3 lg Tatjana

  11. Ein super schöner Blogpost 🙂 Meine Mama ist übrigens auch Sozialpädagogin – deswegen bekomme ich da auch einiges mit und weiß, dass es zwei eher schlecht zusammenpassende Welten sind. Meine Mama interessiert sich aber auch sehr für Mode und bis jetzt hat es keinen ihrer Klienten gestört – ich denke solange man den Leuten zeigen kann, dass sie einem am Herzen liegen ist alles andere eh egal. Und wie oberflächlich sind bitte Leute die sich deswegen von dir abwenden … xxx

    • Hallo Anna, ach wie lustig:-) ja da hast du Recht und man versucht es sich auch nicht mehr so zu Herzen zu nehmen 🙂 lg Tatjana

  12. Ein sehr sehr spannender Post und krass, dass viele Blogger so oberflächlich einschätzen… Ich kann dich gut verstehen, dass du da oft im Zwiespalt bist und es richtig schwer ist, beides unter einen Hut zu bekommen.
    Ich finde es klasse, was du machst! Habe großen Respekt vor diesem Job!

    Ganz viel Erfolg noch bei deiner Massenarbeit

    Liebste Grüße,
    Jil

  13. Liebe Tatjana,

    genau diese Gedanken, die du dir machst, machen di sooo smypathisch!
    Ich finde es so bewundernswert, wie du beides so toll schaffst. Du bist in beiden Berufen ein Vorbild für viele. Bleib so wie du bist,

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